Wassergemischte Kühlschmierstoffe sicher betreiben und dokumentieren
Wassergemischte Kühlschmierstoffe sind in der industriellen Fertigung wichtige Prozessmedien. Sie dienen insbesondere der Kühlung und Schmierung bei spanenden und umformenden Bearbeitungsverfahren. Ihr Zustand verändert sich jedoch während des Betriebs durch Verdunstung, Fremdöleintrag, Metallabrieb, Verunreinigungen und mikrobiologische Prozesse. Eine systematische Überwachung, Pflege und Dokumentation ist deshalb Voraussetzung für Prozesssicherheit, Arbeitsschutz und eine wirtschaftliche Nutzungsdauer.
Die DGUV Regel 109-003 behandelt Tätigkeiten mit Kühlschmierstoffen und den zugehörigen Einrichtungen und unterstützt insbesondere bei der Gefährdungsbeurteilung. Die TRGS 611 enthält zusätzliche Anforderungen für wassermischbare beziehungsweise wassergemischte Kühlschmierstoffe, bei deren Verwendung N-Nitrosamine entstehen können.
Kühlschmierstoffe und Trinkwasser sicher voneinander trennen
Untersuchungsergebnisse und eingeleitete Maßnahmen
Wechsel
Entleerung, Anlagenreinigung und Neuansatz
Entsorgung
Menge, Entsorgungsweg und Nachweise
Die Richtlinienreihe VDI 3397 behandelt sowohl die Pflege und Qualitätserhaltung von Bearbeitungsmedien als auch speziell mikrobiologische Vorgänge in wassergemischten Kühlschmierstoffen. Ziel geeigneter Pflegemaßnahmen ist es, die Gebrauchseigenschaften möglichst lange zu erhalten.
Überwachungswerte mit Maßnahmen verknüpfen
Messwerte besitzen nur dann betrieblichen Nutzen, wenn definierte Reaktionen daraus folgen. Herstellerangaben, Gefährdungsbeurteilung und betriebliches KSS-Konzept sollten deshalb Soll-, Warn- und Eingriffsbereiche bestimmen.
Dadurch können beispielsweise fehlerhafte Konzentrationen oder mikrobiologische Auffälligkeiten frühzeitig erkannt werden, bevor Prozessqualität, Anlagenzustand oder Beschäftigte beeinträchtigt werden.
Trinkwasser und KSS-System sicher voneinander trennen
Besondere Aufmerksamkeit verdient die Verbindung zur Trinkwasserinstallation. Wird Trinkwasser zum Ansetzen oder Nachfüllen eines wassergemischten Kühlschmierstoffs verwendet, darf das KSS-System keine Möglichkeit bieten, Prozessmedium in die Trinkwasserinstallation zurückfließen zu lassen.
Die DIN EN 1717:2026-02 legt Anforderungen zum Schutz von Trinkwasser gegen Verunreinigungen durch Rückfließen fest. Die hierfür erforderliche Sicherungseinrichtung ist anhand der konkreten Gefährdung und Flüssigkeitskategorie fachgerecht festzulegen.
Für Betreiber sollten deshalb zusätzlich dokumentiert werden:
Einspeisestelle aus der Trinkwasserinstallation,
Art und Typ der Sicherungseinrichtung,
Anlagen- und Armaturenkennzeichnung,
erforderliche Wartungs- und Funktionskontrollen,
eindeutige Trennung von Trink- und Nichttrinkwassersystemen,
Änderungen an Nachspeise- oder Dosieranlagen.
Die Trinkwasserverordnung verlangt bei vorhandenen Nichttrinkwasseranlagen unter anderem eine dauerhafte und unverwechselbare Kennzeichnung der Leitungen gegenüber der Trinkwasserinstallation.
Aus Einzelmessungen eine Lebenslaufakte entwickeln
Professionelles KSS-Management verbindet Produktdaten – Ansatzwasser – Betriebswerte – Pflegemaßnahmen – Arbeitsschutz – Trinkwasserschutz – Entsorgung in einer durchgängigen Dokumentation.
So entsteht eine Lebenslaufakte des Kühlschmierstoffsystems, mit der Veränderungen nachvollzogen, wiederkehrende Probleme erkannt und Verantwortlichkeiten eindeutig zugeordnet werden können. Die Dokumentation dient damit nicht nur dem Nachweis ordnungsgemäßer Betriebsführung, sondern unterstützt zugleich längere Fluidstandzeiten, stabile Fertigungsprozesse und einen sicheren Schutz der Trinkwasserinstallation.