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Wasseranlagen

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KG 412 – Wasseranlagen

KG 412 – Wasseranlagen

Die in dieser Leistungsbeschreibung genannten Anforderungen für KG 412 – Wasseranlagen sind Hinweise. Hierin sind die wesentlichen Schwerpunkte wie Hygiene (VDI 6023, TrinkwV), Systemtrennungen (DIN EN 1717), Schallschutz, Brandschutz, Dämmung (GEG) und barrierefreie Ausführungen berücksichtigt. Alle verwendeten Anlagenteile (Werkstoffe, Armaturen, Durchlauferhitzer etc.) müssen den einschlägigen DVGW-Zulassungen entsprechen und fachgerecht installiert, geprüft und dokumentiert werden.

Sämtliche Punkte der vorstehenden Beschreibung verstehen sich als Mindestanforderungen. Weitergehende Normen, Herstellerangaben, lokale Vorschriften und behördliche Auflagen (z. B. Bauaufsicht, Gesundheitsamt) sind zu beachten und gegebenenfalls ergänzend einzuhalten. Änderungen während der Ausführungsphase bedürfen einer rechtzeitigen Abstimmung mit der Bauleitung bzw. dem Auftraggeber. Alles ist projektspezifisch anzupassen.

  • Die Wasserinstallation umfasst die gesamte Trinkwasser- und Brauchwasserversorgung innerhalb des Gebäudes bzw. der angeschlossenen Gebäudeteile, einschließlich der Warmwasserbereitung (zentral und/oder dezentral) sowie die Anbindung von Feuerlösch- und prozessbedingten Anlagen.

  • Nicht-Trinkwasser, z. B. Regenwassernutzung, wird im Projekt nicht realisiert.

  • Als Anschlusspunkt der Trinkwasserversorgung gilt der durch die Projektmaßnahme Erschließung definierte Punkt (siehe Teil Außenanlagen).

  • Der Versorger stellt keine Versorgungssicherheit für sicherheitsrelevante Anlagen (z. B. selbsttätige oder nicht selbsttätige Feuerlöschanlagen) sicher; ggf. sind eigene Maßnahmen (z. B. Löschwasserbevorratung, Druckerhöhungsanlagen, Redundanzen) vorzusehen.

Normen, Richtlinien und Vorschriften

  • Trinkwasserverordnung (TrinkwV): Einhaltung aller hygienischen Vorgaben und Grenzwerte.

  • VDI 6023: Hygienegerechte Planung, Ausführung, Betrieb und Instandhaltung von Trinkwasseranlagen (vollumfänglich zu beachten).

  • DIN EN 806 (Teile 1–5) und ggf. DIN 1988: Planung, Ausführung, Prüfung und Betrieb von Trinkwasserinstallationen.

  • DVGW-Regelwerk (z. B. W 551, W 553): Legionellenschutz, Anforderungen an Warmwassersysteme, Zirkulationsleitungen, Speicher etc.

  • DIN EN 1717: Schutz des Trinkwassers vor Verunreinigungen in Trinkwasser-Installationen (Rückflussverhinderer, Systemtrenner, Trennungen Klasse 5).

  • DIN 4109 / VDI 4100: Schallschutz im Hochbau.

  • Gebäudeenergiegesetz (GEG): Vorgaben zur Dämmung von Warm- und Kaltwasserleitungen.

  • Arbeitsstättenrichtlinien, Vorschriften der Berufsgenossenschaft (BG) sowie ggf. örtliche Sondervorschriften.

Hygienische Anforderungen

  • Hygiene- und Reinigungskonzept: Vom Anlagenerrichter zu erstellen; beinhaltet u. a. Inspektions-, Prüf- und Spülstellen sowie die Zuwegung.

  • Ein ausführlicher Spülplan (turbulente Durchströmung, ohne Betreiberpflichten) ist zu beachten. Er gilt ab öffentlicher Erschließung bis zu den letzten Entnahmestellen.

  • Installationsführung gemäß VDI 6023: Hygienetechnisch optimierte Leitungsführung (z. B. minimierte Totleitungen, automatische Systemspülungen, keine Stagnationsabschnitte).

  • Durchströmte Systeme bis unmittelbar zur Entnahmestelle, möglichst ohne Bypässe oder Blindleitungen.

  • Hygienische Trennungen (Rückflussverhinderer, Systemtrenner): Trennung Klasse 5 nach DIN EN 1717 für alle Betriebswasserarten der Fertigungstechnik sowie für Freianlagen-/ Dachflächenbewässerungen (inkl. frostgesicherter Außenarmaturen).

  • Temperaturführung / Legionellenschutz: Warmwasserbereitung (WW) auf mind. 60 °C, Zirkulationsrückläufe nicht kühler als 55 °C (max. 5 K Temperaturdifferenz).

  • Automatische bzw. programmierbare Zirkulationssteuerung mit thermischer Einregulierung oder manueller Regulierung.

  • Bei Zentralanlagen sind Frischwasserstationen einzuplanen, um Speichermengen gering zu halten.

  • Rohrleitungen: Zulässige Rohrmaterialien: Edelstahl, Kupfer, Mehrschichtverbundrohr (MLR) oder Kunststoff (jeweils DVGW-zugelassen).

  • Messing ist nicht zulässig, außer bei ausdrücklich zugelassenen Kunststoff-Installationssystemen (Ausnahme: herstellerspezifische Freigabe, Rotguss/Edelstahl-Alternative bevorzugt).

  • Armaturen in Rotguss oder nicht rostendem Edelstahl; Dichtungen keramikbasiert.

  • Armaturenqualität: Höchste Schallschutzklasse (i. d. R. Klasse I).

  • Einheitliches Fabrikat in allen Sanitärbereichen (Wasch-, Dusch-, WC-Armaturen).

  • Anordnung von Absperreinrichtungen: In jedem Abschnitt (Bereich/Raum) gut zugänglich, raumweise oder bereichsweise absperrbar, sinnhaftes/praktikables Konzept (Wartungsfreundlichkeit).

  • Einbauten / Fühler / Messstellen: Mit Tauchhülsen und Einfassungen aus nicht rostendem Edelstahl, leicht zugänglich für Wartung.

Rohrleitungsverlegung, Dämmung und Kennzeichnung

  • Leitungsverlegung: Vollständige Entleerbarkeit (auch in Speicher-/Pufferanlagen).

  • Vermeidung von Kreuzungen, weitgehend kurze Stichleitungen zur Minimierung von Stagnation.

  • Schallentkoppelte Befestigungssysteme.

  • Dämmung: Warmwasser- und Zirkulationsleitungen nach GEG oder DIN EN 806-2 (Mindestdicken).

  • Kaltwasserleitungen (insbesondere in warmen Räumen) gegen Tauwasserbildung isolieren.

  • Kennzeichnung: Farbliche Kennzeichnung und Fließrichtung gemäß DIN 2403 („grün“ für Trinkwasser, ggf. mit Schriftzug „TW Kalt“ / „TW Warm“).

  • Beschriftung wichtiger Armaturen (Absperrungen, Strangbezeichnungen).

Prüfungen, Spülung, Desinfektion

  • Dichtheits- und Druckprüfung: Auszuführen gemäß DIN EN 806-4, vorzugsweise mit Wasser oder nach Absprache mit Druckluft/Inertgas.

  • Prüfprotokolle sind zu erstellen und der Bauleitung bzw. dem Auftraggeber vorzulegen.

  • Spülung und Desinfektion: Trinkwasserleitungen sind nach Abschluss der Montage zu spülen (turbulent).

  • Sofern erforderlich, Desinfektion nach DVGW W 557 / W 291 (z. B. bei Risikobereichen).

  • Abnahme der Anlage erst nach erfolgreicher Probeentnahme (mikrobiologische Untersuchung), falls gefordert.

Warmwasserversorgung (zentral / dezentral)

  • Zentrale Trinkwarmwasser-Versorgung: Zirkulationsleitungen mit frei programmierbarer Zeitschaltung oder thermischer Regelung, max. Temperaturdifferenz 5 K.

  • Zwei Zirkulationspumpen je 100 % Leistung (Redundanz).

  • Bei Vorlauftemperaturen < 60 °C durch die zentrale Wärmequelle sind elektrische Nachheizungen zur Einhaltung der legionellenhygienischen Anforderungen vorzusehen.

  • Dezentrale Durchlauferhitzer: Typ A (6,5 kW, 400 V) für Waschtische, Typ B (6,5 kW) für Ausgussbecken, Typ C (11–13,5 kW) für Küchen/Teeküchen, Typ D1 (24 kW) für Einzelduschen, Typ D2 (18 kW) für Sonderversorgung (genaue Leistungsdaten, Temperaturbereiche etc. gemäß Ausschreibung).

  • Verbrühschutz: Thermostatarmaturen bei Duschen (max. 42 °C) und kindersichere Temperaturbegrenzungen an Waschtischen (falls nötig).

Sanitäre Einrichtungen und Ausstattung

Die Art und Anzahl der Sanitärobjekte (WC, Urinale, Waschbecken etc.) richtet sich nach:

  • Nutzerangaben,

  • Raumbuch,

  • Arbeitsstättenrichtlinien,

  • Architektur- und Ausführungsplänen.

WC-Anlagen

  • UP-Elemente mit 2-Mengen-Spülung, Tiefspül-WCs (600 mm Ausladung), WC-Sitze (weiß, Edelstahl-Scharniere, keine Absenkautomatik), Betätigungsplatten in Kunststoff (weiß), WC-Bürstengarnitur, Papierhalter, Reserverollenhalter, ggf. Lüftungsanschluss.

  • Behindertengerechte WCs: erweiterte Ausladung (700 mm), Stützklappgriffe mit Fernauslösung (elektrisch), Notruftaste, Rückenstütze, barrierefreie Montagehöhen.

Urinal-Anlagen

  • UP-Element mit elektronischer Spülautomatik (IR-Sensor), verdecktem Zu-/Ablauf, Trennwände aus beschichtetem Kunststoff (mind. 1 Trennwand zwischen je zwei Urinalen).

Waschtische (WT)

  • Einzel- oder Reihenwaschtische, UP-Elemente, Röhrengeruchsverschlüsse, Eckventile mit Schmutzfang, Porzellan weiß (pflegeleicht beschichtet), Einhebel- oder berührungslose Armaturen je nach Anforderung (Büro- vs. Fertigungsbereich).

  • Spiegel in Kristallglas mit geschliffenen Kanten, verdeckte 4-Punkt-Magnetbefestigung.

  • Spender für Seife, Papierhandtücher, Desinfektion und Abfallbehälter in ausreichender Zahl (berührungslose Bedienung).

  • Behindertengerechte WT: unterfahrbar, IR-Steuerung, Haltegriffe, angepasste Spiegelhöhe.

Ausgussbecken (AG)

  • UP-Element, emailliertes Ausgussbecken (505×355 mm), 3-seitiger Plastikrand, Klapprost, Einhand-Wandbatterie (TWK+TWW) oder dezentraler Durchlauferhitzer (Typ B), Spender- und Abfallausstattung analog Waschtisch.

Duschanlagen

  • Fläche mind. 900×900 mm, bodeneben, beschichtetes Hartschaumelement, Bodenablauf DN 50 (2 Dichtebenen).

  • UP-Thermostatmischer (Grund- und Fertigbauset), Düsenbrausekopf aerosolarm, ggf. Duschtrennwand (Sicherheitsglas, teils satiniert), Ablagekorb, Doppelhaken.

Spültisch-Anlagen (Küchen / Teeküchen)

  • UP-Element mit Anschlüssen für Spülbecken und Geschirrspüler, ggf. Durchlauferhitzer (Typ C), Einhand-Spültischbatterie (schwenkbarer Auslauf, Ausziehbrause).

  • Spülbecken und Möblierung nicht im TGA-Lieferumfang (bauseits).

Automatenanschlüsse

  • Kaffee-/Getränkeautomaten: Kaltwasser-Absperrventil DN 15, Druckminderer, Schmutzfänger, Eckventile, Steril-/Aktivkohlefilter (bei Trinkwasserspendern), Abwasseranschluss DN 50 (Röhrengeruchsverschluss).

  • 1 EDV-Port + 1 Elektroanschluss 230 V / 16 A pro Automat.

Außenentnahmestellen

  • Frostsichere Außenarmaturen: Wanddurchführung DN 20, Entleerfunktion, Systemtrenner Klasse 5 vorgeschaltet, eigenständig absperrbar.

  • Unterflurhydranten (sofern projektiert): frostsicher, Teleskop-Einbaugarnitur, druckverlusteoptimierte Entnahme, verschließbare, befahrbare Abdeckhaube.

Feuerlösch- / Sprinkleranlagen

  • Werden gesondert nach Anforderung des Brandschutzkonzepts geplant. Keine Versorgungssicherheit über das kommunale Netz garantiert. Ggf. Löschwasserbehälter, Druckerhöhungsanlagen etc.

Inbetriebnahme, Dokumentation und Wartung

  • Inbetriebnahme: Nach erfolgreicher Druck- und Dichtheitsprüfung, Spülung und ggf. Desinfektion.

  • Erstellung der Übergabeprotokolle, Prüfnachweise, Hygienegutachten (wenn gefordert).

  • Revisionsunterlagen: Bestandspläne (digital + Papier), Schemata (Strangschemata), Armaturenlisten, Wartungsanleitungen, Herstellerunterlagen etc. vollständig an den Auftraggeber übergeben.

  • Wartung und Inspektion: Der Auftragnehmer weist auf die wiederkehrenden Prüfungen (z. B. Legionellenprüfung nach TrinkwV bei Großanlagen, Funktionskontrolle der Armaturen) hin.

  • Ein Wartungsvertrag wird empfohlen oder ggf. in den Ausschreibungsunterlagen separat definiert.