Effiziente Trinkwassernutzung
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Effiziente Trinkwassernutzung in Betreiberimmobilien
Der sparsamen Wasserverwendung kommt in technisierten Einrichtungen große Bedeutung zu: Trinkwasser kostet Geld, seine Erzeugung und Erwärmung verbraucht Energie, und die Ressource Wasser steht zunehmend unter Druck (Klimawandel, Versorgungssicherheit). In Kliniken und ähnlichen Großbetrieben machen Wasser- und Energiekosten bis zu 2,2 % der Gesamtkosten aus (über 2,1 Mrd. € jährlich bundesweit). Effizienzziele tragen daher sowohl zur Kostensenkung als auch zur Nachhaltigkeit bei. Studien zeigen, dass durch Optimierungen im Energie- und Wassermanagement oft ein Drittel der Kosten eingespart werden kann, bei großen Häusern schnell Millionen pro Jahr. Zudem erhöht ein effizienter Wasserbetrieb die Versorgungssicherheit (z. B. geringerer Druck auf die regionale Wasserversorgung) und verbessert den ökologischen Fußabdruck des Gebäudes.
Effiziente Trinkwassernutzung im FM-Betrieb
- Energiesparende Installationssysteme
- Optimierte Spültechnik und automatisierte Stagnationsvermeidung
- Einsatz berührungsloser Selbstschlussarmaturen
- Monitoring, Leckageerkennung und digitale Verbrauchssteuerung
- Praxisempfehlungen für nachhaltige Trinkwassersysteme
Energiesparende Installationssysteme
Warmwasserbereitung (zentral vs. dezentral): Zentrale Systeme (Großspeicher oder zentrale Durchlauferhitzer) erwärmen Wasser in einer Anlage und verteilen es per Zirkulation. Dezentrale Anlagen (unabhängige Durchlauferhitzer oder Kleinboiler direkt an den Zapfstellen) vermeiden lange Transportwege und Standby-Verluste. Fachleute empfehlen zunehmend dezentrale Lösungen: So lässt sich die Warmwassererwärmung von der Heizung entkoppeln und bedarfsgerecht aufbereiten. Eine Studie zeigte z. B., dass dezentrale elektrische Durchlauferhitzer rund 40 % Energie gegenüber zentralen Systemen einsparen können. In Verbindung mit Ökostrom verbessert sich die Ökobilanz weiter. Kritisch ist allerdings die Leistungsanforderung: Dezentrale Systeme brauchen entsprechend dimensionierte Stromanschlüsse (z. B. 400 V für E-Durchlauferhitzer).
Speichermanagement und Zirkulation: Warmwasserspeicher und Zirkulationskreisläufe müssen wärmegedämmt und auf den minimal erforderlichen Inhalt ausgelegt sein, um Wärmeverluste zu minimieren. Die Zirkulationspumpe sollte hydraulisch korrekt ausgelegt sein: Ein zu hoher Differenztemperaturbereich (>5 K) zwischen Vor- und Rücklauf deutet auf überhöhte Wärmeverluste hin, ein zu kleiner Unterschied (<2–3 K) auf einen überdimensionierten Pumpendurchfluss. Letzteres kann durch Herunterregeln erheblich Strom sparen. Außerhalb der Nutzungszeiten kann die Zirkulation ganz oder zeitweise abgeschaltet werden (z. B. per Zeitschaltuhr), sofern ein regelmäßiger Wasserwechsel gewährleistet bleibt. Dabei müssen die Hygienevorgaben (kein zu langes Stagnieren >72 h) beachtet werden.
Wärmerückgewinnung aus Abwasser: Systeme zur Abwasser-Wärmerückgewinnung (z. B. Wärmetauscher in Grauwasserrohren oder häusliche Greywater-Systeme) nutzen die Wärme von abgeflossenem Warmwasser. Laut Herstellerangaben können solche Anlagen den Energiebedarf für Brauchwasserbereitung deutlich senken. Generell gilt: Jede Form von Wärmerückgewinnung, sei es aus Abwasser oder anderen Quellen (Regenwasser, Abluft), verbessert die Gesamtenergieeffizienz.
Optimierte Spültechnik und automatisierte Stagnationsvermeidung
Automatische Spüleinheiten und Intervallsteuerung: In großen oder zeitweise unbenutzten Anlagen ist eine regelmäßige Legionellenvorbeugung unverzichtbar. Nach VDI 6023 muss alle 72 Stunden sämtliches Wasser in der Anlage ausgetauscht werden. Handspülungen sind im Betrieb oft unrealistisch. Moderne Spülsysteme verbinden daher elektronische Armaturen mit Steuerungseinheiten, die Entleerungs- oder Durchspülzeiten programmieren. Die Armaturen werden zu Spülgruppen zusammengefasst und in festgelegten Intervallen gleichzeitig geöffnet, um hohe Volumenströme zu erreichen und das „Rohr‑in‑Rohr“-Phänomen zu vermeiden. Anbieter (z. B. Schell, Hansa) bieten Bluetooth- oder funkgestützte Module, mit denen Parametereinstellungen (Laufzeiten, Frequenz) zentral gesetzt werden können. So lassen sich auch wenig genutzte Entnahmestellen automatisiert durchspülen.
Hygiene- und Effizienzanforderungen: Neben der zeitlichen Planung muss die Durchflussgeschwindigkeit hoch genug sein, um auch in Randzonen der Leitung Frischwasser zu ersetzen. Daher werden oft alle betreffenden Armaturen synchron geöffnet. Im Fokus steht stets die Minimierung stagnierenden Wassers bei maximalem Wasserverbrauch. Die Systeme sind so ausgelegt, dass sie einerseits die legionnellenwirksamen Temperaturen einhalten (Spültemperaturen ≥60 °C) und andererseits Wasserverluste in Grenzen halten.
Integration in Gebäudeautomation: Moderne Spülsysteme lassen sich in die Gebäudeleittechnik (GLT/CAFM) einbinden. Beispielsweise kann ein übergeordnetes Wassermanagement-System (WMS) alle elektronischen Auslässe vernetzen und zentral steuern. Abbildungen oder Statusanzeigen der Spülzyklen können ins Gebäudemanagement einfließen, sodass Verantwortliche die Hygienezyklen jederzeit überwachen und bei Bedarf anpassen können. Remote-Steuerung (per Funk oder App) ermöglicht in großen Liegenschaften die flexible Anpassung an Nutzerprofile.
Einsatz berührungsloser Selbstschlussarmaturen
Wasserverbrauchsreduktion: Sensorarmaturen (berührungslose Selbstschluss‑Armaturen) schalten den Wasserfluss nur beim Gebrauch ein. Studien und Praxiserfahrungen zeigen, dass sie den Wasserverbrauch drastisch senken können. In Tests benötigten Sensorhähne beim Händewaschen nur etwa 1,5 l statt 4 l bei herkömmlichen Hebelarmaturen – eine Einsparung bis zu ca. 70 % pro Zapfvorgang. In Einrichtungen mit vielen Nutzern (Büros, Hotels, Kliniken) summiert sich dies: Bei einer Hotelgruppe erreichte man nach Umrüstung bis zu 50 % weniger Wasserverbrauch pro Gast. Da weniger Warmwasser erzeugt werden muss, sinken gleichzeitig Energie- und Betriebskosten. Die anfänglichen Investitionskosten amortisieren sich in vielen Fällen bereits nach wenigen Jahren durch Wasser- und Wartungseinsparungen.
Hygieneverbesserung: Da keine Oberflächen berührt werden, verringern Sensorarmaturen das Keimübertragungsrisiko und erhöhen die Hygiene – ein großer Vorteil in Kliniken, Schulen, Kantinen u. a.. Berührungslos betriebene Armaturen sind besonders in sensiblen Bereichen Standard und reduzieren Kreuzkontaminationen deutlich.
Wirtschaftlichkeit: Moderne Sensorarmaturen sind für den Dauereinsatz konzipiert und halten oft länger als mechanische Hähne (geringerer Verschleiß, robust gegen Vandalismus). Sie ermöglichen zudem zeitliche Begrenzungen (Einspülstopp nach definierter Zeit) und Hygienespülprogramme. Wegen des Nachrüst- und Wartungsaufwands lohnt sich die Anschaffung am meisten in Bereichen mit hohem Durchsatz. Zahlreiche Beispiele (Flughäfen, Hochschulen) belegen jedoch, dass sich die Investition durch Einsparungen und Hygienegewinn vielfach auszahlt.
Monitoring, Leckageerkennung und digitale Verbrauchssteuerung
Moderne Gebäudeautomation nutzt vernetzte Sensoren und Zähler, um den Trinkwasserverbrauch in Echtzeit zu überwachen und Leckagen frühzeitig zu erkennen. Feuchte- und Drucksensoren entlang der Leitungen detektieren kleinste Leckstellen oder Druckabfälle, bevor ein sichtbarer Schaden auftritt. Die Sensordaten (z. B. Feuchtigkeit, Differenzdruck, Temperatur) werden über Funkstandards (LoRaWAN, NB-IoT, ZigBee) an Gateways übertragen und von CAFM-/BMS-Systemen visualisiert. So kann das Facility Management Auffälligkeiten automatisch melden und Gegenmaßnahmen einleiten. Integrierte IoT-Plattformen und CAFM-Tools führen Verbrauchs- und Zustandsdaten zusammen. Die Verbrauchserfassung erfolgt üblicherweise verbrauchsabhängig (Eichgesetz), aber intelligente Sensorik ergänzt dies um zeitnahe Analysen. Stichprobenmessungen und automatische Softwarechecks identifizieren Anomalien (z. B. ungewöhnlich hoher Verbrauch, Druckverluste) und warnen vor Lecks oder ineffizientem Betrieb. Predictive-Maintenance-Ansätze (vorausschauende Instandhaltung) nutzen diese Daten, um Wartungszyklen zu optimieren und Ausfallzeiten zu minimieren. Durchgängiges Monitoring unterstützt auch die Einhaltung rechtlicher Vorgaben (Temperatur- und Hygieneprotokolle). In Summe verbessern solche vernetzten Systeme die Betriebssicherheit und machen Einsparpotenziale transparent.
Praxisempfehlungen für nachhaltige Trinkwassersysteme
Planung und Dimensionierung: Netzwerke so kurz und einfach wie möglich ausführen („so klein wie nötig“). Verteilungsleitungen hydraulisch abgleichen und auf das tatsächliche Bedarfsmuster auslegen. Zirkulationsschleifen nur dort vorsehen, wo sie hygienisch erforderlich sind.
Hygiene-Management: Legionellenvorsorge als Teil des Betriebskonzepts. Warmwasserbestände ≥60 °C vorhalten, steht eine automatische Legionellenschaltung zur Verfügung, so nur im Rahmen eines definierten Plans. Automatisierte Spülzyklen implementieren, um 72‑Stunden-Regel der VDI 6023 einzuhalten. Regelmäßige Wartungen und Dokumentation (Betriebsanleitungen, Hygieneprotokolle) laut VDI/DVGW befolgen.
Energieeffizienzmaßnahmen: Hochwertige Dämmung aller Speicher und Rohrleitungen, rechtzeitiges Abschalten nicht benötigter Aggregate (z. B. nachts oder an Wochenenden) sowie den Einsatz effizienter Wärmeerzeuger (Brennwert, Wärmepumpe, Solarthermie) sicherstellen. Wo möglich, dezentrale Erwärmung (Durchlauferhitzer) prüfen – besonders in Umstellungsprojekten auf erneuerbare Energien (vergleiche GEG-Anforderungen).
Wasser sparen im Betrieb: Sensorarmaturen an stark frequentierten Stellen einsetzen, um den tatsächlichen Verbrauch zu reduzieren und Hygienerisiken zu minimieren. Auf Haustrinkwasser-Entnahmestellen (Küche, Labor) Wassersparventile/Perlatoren und Durchflussbegrenzungen montieren. Bewusstes Nutzungsverhalten fördern (Schulungen, Betriebsanweisungen).
Monitoring und Alarmierung: Digitale Zähleranlagen installieren und in das CAFM einbinden. Grenzwerte (z. B. Verbrauchsanstieg über Normalniveau) definieren und automatische Alarmierung bei Abweichungen einrichten. Feuchtigkeits- oder Drucksensoren in kritischen Bereichen (Serverräume, Keller) platzieren und in das Gebäudemanagement integrieren. So können kleine Störungen vermieden werden, bevor größere Wasserschäden oder -verluste eintreten.
Diese ganzheitliche Vorgehensweise – von Technik und Hygienekonzept bis zu digitaler Überwachung – sichert einen effizienten, kostengünstigen und nachhaltigen Betrieb von Trinkwassersystemen in betreiberintensiven Gebäuden. Alle empfohlenen Maßnahmen orientieren sich an den aktuellen gesetzlichen Vorgaben und technischen Regeln (TrinkwV, GEG, VDI/DIN/DVGW) und ergänzen diese um praxiserprobte Ressourcenschutz-Strategien.
