Zum Inhalt springen
FM-Connect Chat

Hallo! Ich bin Ihr FM-Connect Chat-Assistent. Wie kann ich Ihnen helfen?

FM-Solutionmaker: Gemeinsam Facility Management neu denken

Auswirkungen höherer Umgebungstemperaturen

Facility Management: Trinkwasser » Strategie » Trinkwasserhygiene » Umgebungstemperaturen

Auswirkungen höherer Umgebungstemperaturen auf Kalt- und Warmwassersysteme

Auswirkungen höherer Umgebungstemperaturen auf Kalt- und Warmwassersysteme

Höhere Außentemperaturen führen dazu, dass auch das eingespeiste Kaltwasser in Gebäuden wärmer wird. Messungen ergaben Zuleitungs­temperaturen von rund 14–17 °C (statt normativ 10 °C); in Innenstadtlagen sind inzwischen 18 °C am Hausanschluss keine Seltenheit. Wird dieses Wasser in warmen Technikräumen oder schlecht belüfteten Schächten (≥25 °C) transportiert, kann es im Sommer binnen weniger Stunden über 25 °C steigen. (Nach DIN EN 806-2 gilt ein Wert <25 °C nach 30 s Auslauf als regelkonform.) Dieser Effekt verringert den Kaltwasser-Reservoir und zwingt Boiler bzw. Durchflusserhitzer, höhere Temperaturen zu erreichen. Gleichzeitig gelten für Warmwasser gemäß Normen 60 °C am Speicher bzw. ≥55 °C am Auslauf. Steigt die Eintrittstemperatur, erhöht sich der Heizenergiebedarf. Ein einseitiges Absenken der Warm­wassertemperatur (z.B. zur Energieeinsparung) ohne andere Maßnahmen steigert das Legionellenrisiko steigert. Entsprechende Dämmung und Anpassung der Anlagen sind daher erforderlich.

Auswirkungen höherer Umgebungstemperaturen auf Wasseranlagen

Risiken für die Trinkwasserhygiene

  • Legionellenwachstum: Legionellen vermehren sich besonders stark zwischen etwa 25 und 45 °C (Optimum ≈37 °C) und sterben erst oberhalb von ca. 60 °C ab. Klimatisch bedingte höhere Temperaturen (warm-feuchte Perioden) können die Legionellose-Inzidenz erhöhen. Vor allem warmes Kaltwasser (>20 °C) oder nicht ausreichend heißes Warmwasser (<55 °C) schaffen laut RKI Bedingungen für höhere Legionellenkonzentrationen. Die bislang ausgeschlossene Gefahr der Kaltwasser-Kontamination ist erkannt worden.

  • Pseudomonaden und weitere Keime: Pseudomonas aeruginosa gilt als häufiges nosokomiales Pathogen in Wasserinstallationen. Stehende oder zu warme Kaltwasserleitungen begünstigen sein Wachstum. Ähnlich wie Legionellen werden Pseudomonaden in wärmerem Wasser stärker, so dass Isolierung und regelmäßiger Spül­betrieb notwendig sind. Weitere Umweltkeime (z.B. Mykobakterien) können nach Extremwetterereignissen zunehmen. Insgesamt spricht man von „hygienisch kritischer Erwärmung“ des Kaltwassers, die in den letzten Jahren in Wohn- und Betriebsbauten zunehmend festgestellt wird.

Konsequenzen für die Planung

  • Rohrleitungsführung und Isolierung: Alle Planungen müssen auf eine thermische Entkopplung von Warm- und Kaltwasser abzielen. Idealerweise verlaufen Kaltwasserleitungen getrennt von Warmwasser- und Abwasserrohren (z. B. in eigenen Schacht- oder Deckenbereichen). Dies minimiert Wärmeeintrag aus angrenzenden Quellen. Räume mit Trinkwasserverteilung (Hausanschluss, Steigeschächte) dürfen 25 °C nicht überschreiten. Ferner sollten Kaltwasserleitungen ebenso zu 100 % gedämmt werden wie Warmwasserleitungen. Planer vermeiden lange Totleitungen und integrieren thermische Fallleitungen (z. B. Lüftungsrohre) getrennt. Bei begrenztem Platz können Rohr-in-Rohr-Systeme (“Innenliegende Zirkulation”) den Wärmeeintrag reduzieren.

  • Speichertechnik und Zirkulation: Moderne Anlagen setzen zunehmend auf volumenreduzierte Systeme. Gemäß DIN 1988-300 werden kleinere Leitungssysteme und reduzierte Gleichzeitigkeitswerte gewählt, um Speicher- und Netzvolumen zu verringern. Durch entsprechende Dimensionierung in einem 60-Betten-Bau könnte man die PWC-Hausanschluss-Leitung von DN50 auf DN40 verkleinern, was das Warmwasservolumen um etwa 25 % senkt. Zudem sollen überflüssige Zirkulationskreise ganz vermieden werden. Wo Zirkulation nötig ist (z. B. lange Verteilleitungen), muss sie hydraulisch abgeglichen laufen. Ziel ist, dass nach höchstens 30 s an allen Ausläufen ≥55 °C Warmwasser ankommt.

  • Temperaturhaltung: Planung und Auslegung müssen gewährleisten, dass im Dauerbetrieb dauerhaft ≤25 °C Kalt- und ≥55 °C Warmwassertemperaturen herrschen. Das bedeutet: Speicher sollten auf ≥60 °C betrieben werden (Rücklauf ≥50 °C), Zirkulationspumpen durchgängig laufen. Raumtemperatur-Puffer (z. B. Wärmeisolierung von Armaturen oder Strömungsregelungen) sind für hygienekritische Umgebungen zu implementieren. Monatliche Temperaturkontrollen im System und Mindesttemperaturen nach Normen sind zu empfehlen.

  • Materialwahl: Verwendet werden möglichst korrosionsbeständige, antimikrobielle und glatte Werkstoffe (z. B. Edelstahl, PE-X oder zertifiziertes Messing) zur Minimierung von Ablagerungen. DVGW-W551-3 enthält Anforderungen an Werkstoffe und Dichtungen im Kontakt mit Desinfektionsmitteln. Kuperleitungen sind wegen Korrosionsrisiko zurückhaltend einzusetzen.

  • Dezentrale vs. zentrale Systeme: Grundsätzlich verringern dezentrale Warmwasserboiler oder Durchlauferhitzer das Speichervolumen und damit Stagnationsrisiken in weiten Bereichen. Zentrale Systeme ermöglichen dafür leichteren Temperaturbetrieb und Überwachung. Bei zentraler Erzeugung ist auf effiziente Rücklaufschichtung und minimale Verlustleistung (Pumpen mit Venturi, thermostatische Strangregler) zu achten.

Konsequenzen für den Betrieb

  • Monitoring und Temperaturkontrolle: Betreiber müssen ein kontinuierliches Hygienemonitoring durchführen. Dazu gehört die regelmäßige Temperaturmessung an repräsentativen Zapfstellen (mindestens monatlich) für kalt und warm, analog der DVGW-Empfehlungen. Die Soll-Werte (<25 °C kalt, ≥55 °C warm nach 30 s) sind zu dokumentieren. Moderne Gebäudeautomationssysteme mit integrierten Temperatursensoren können Abweichungen frühzeitig melden. Automatisierte Logsysteme oder App-gestützte Kontrollprotokolle helfen bei der Nachverfolgbarkeit.

  • Spül- und Desinfektionsstrategien: Ein konsequentes Spülkonzept ist Pflicht: Langsam oder selten genutzte Leitungen müssen in definierten Intervallen gespült oder abgetrennt werden. Installationsbedingte Toträume sind möglichst zu eliminieren. Bei mikrobieller Verkeimung greifen DVGW-Verfahren: W551-2 (früher W556) beschreibt die Fehlersuche und Sanierungsplanung, W551-3 (W557) die Reinigung/Desinfektion. Übliche Sanierungsmaßnahmen sind thermische Desinfektion (Erwärmen auf ≥70 °C mit Durchspülen) oder zugelassene chemische Verfahren – wobei UBA aus Vorsorgegründen von chemischer Dauerdesinfektion abrät. Nach Legionellennachweis muss eine Gefährdungsanalyse erstellt und umgehend abgestellt werden (z. B. durch ergänzende Spülventile, Austauschen von Filterkomponenten oder Umstellung auf andere Erwärmungsstufen).

  • Automatisierung und Frühwarnsysteme: Digitale Sensorik wird wichtiger. Online-Monitoring (z.B. Temperaturlogger, Durchflussmesser, Leitfähigkeits- oder Redox-Sensoren) kann atypische Zustände früh erkennen. Smarte Systeme („Frühwarnsystem Trinkwasser“) erlauben etwa, ansteigende Kaltwassertemperaturen, stagnationsbedingte Unregelmäßigkeiten oder signifikante Schwankungen im Trinkwasserverbrauch zu melden. Auch automatisierte Spülstationen (zeit- oder volumengetriggert) und intelligente Ventile sind im Kommen.

  • Betreiberpflichten nach TrinkwV und DVGW-Regeln: Nach §4 TrinkwV ist der Betreiber verpflichtet, „dass keine Krankheitserreger in schädigenden Konzentrationen“ abgegeben werden. Größere Warmwasseranlagen (>400 L Speicher oder >3 L Rohrinhalt) gelten als „Großanlage“ und unterliegen §31 TrinkwV mit jährlicher Legionellenprüfung. Bei Beanstandungspflichten (z.B. Legionellen‑Konzentration >100 KBE/100 ml) muss sofort gehandelt und das Gesundheitsamt informiert werden. Die Einhaltung anerkannter Regeln (DVGW W551-1 bis -3, VDI/DVGW 6023, DIN EN 806) ist vorgeschrieben: Dazu zählen z.B. Mindesttemperaturen (60/55°C), Spülvorschriften und Dokumentationspflichten.

Empfehlungen für Neubau und Bestandssanierung

  • Klimaangepasste Planung: Schon in der Planung sind getrennte Rohrführung (schachtweise) und vollständige Dämmung Pflicht. Kaltwasserleitungen sollten möglichst nur mit anderen „kalten“ Leitungen (z.B. Lüftungsrohren) in Schächten verlaufen. Vermeiden Sie enge Montagebereiche, wo sich Wärme stauen kann. Installieren Sie kurze, gut isolierte Steigleitungen („Auskühlstrecken“) für Entnahmestellen.

  • Reduziertes Systemvolumen: Halten Sie Rohrnetz schlank. Verwenden Sie kleinere Rohrquerschnitte und realistische Auslegungsströme (gemäß DIN 1988-300). Prüfen Sie alternative Konzepte (z. B. Zimmer-Durchlauferhitzer oder wohnungsweise Kleinspeicher), um Speichervolumina und Leitungs­längen zu minimieren. In zentralen Systemen sollten Pufferspeicher mit Wärmepumpen oder Nahwärmenetz-Übergabestationen kombiniert werden, um hygienische Temperaturen bedarfsgerecht ohne Dauerbevorratung zu erreichen.

  • Hygienische Warmwasserbereitung: Stellen Sie den Warmwasser-Kreislauf auf mindestens 60 °C im Speicher (Mischventile) und ≥55 °C an den Ausläufen ein. Vermeiden Sie unnötiges Absenken der Temperaturen. Dämmung von Kessel, Rohrleitungen und Komponenten minimiert Wärmeverluste (statt Warmwasser absichtlich niedriger zu halten).

  • Spültechnik und Zirkulation: In Bestandsanlagen können Rohrleitungsübergänge mit Spülarmaturen oder Rückflussverhinderern nachgerüstet werden. Definieren Sie Spülprotokolle (z.B. tägliche/ wöchentliche Öffnung ungenutzter Entnahmestellen). Achten Sie auf gleichmäßige Zirkulation in allen Kreisen (z.B. durch thermostatische oder hydraulische Strangregulierventile).

  • Filtration und Zusätze: In sensiblen Bereichen (Krankenhaus, Labor) kann der Einsatz endotermfähiger Point-of-Use-Filter sinnvoll sein. Gemäß DVGW darf für Trinkwasser nur zugelassene Desinfektionsverfahren verwendet werden (Liste nach §11 TrinkwV). Wegen gesundheitlicher Bedenken sollte, wenn möglich, auf chlorhaltige Systeme verzichtet werden.

  • Präventionskonzept und Schulung: Erstellen Sie ein Wasserhygienemanagement bzw. Trinkwasser-Sicherheitskonzept (WSP) nach VDI 6023. Dieses sollte Gefährdungsanalyse, Risikobewertung und Wartungspläne umfassen. Schulen Sie technisches Personal in hygienegerechter Bedienung und Wartung. Pflegen Sie lückenlose Dokumentation (Temperatur-Protokolle, Inspektionsberichte, Legionellenbefunde). Beachten Sie dabei die Betreiberpflichten der TrinkwV (z. B. Anzeige neuer Anlagen, regelmäßige Gefährdungsbeurteilungen).